Gott nahe zu sein, ist mein ganzes Glück!

Psalm 73,28

 

Karsten Künzl

„Alle Menschen wollen glücklich sein!“ Das stellte bereits der berühmte Philosoph Aristoteles fest. Aber leider erklärte er uns nicht, was das Glück ist. Die einen meinen, glücklich sei, wer alles habe, was er sich wünscht. Aber wie viele Lottomillionäre sind mit ihrem Geld ganz unglücklich geworden? Die anderen sagen, das Glück bestehe in der Selbstgenügsamkeit. Aber wie viele Menschen haben sich darin verbissen und sind am Leben gescheitert? Doch nun kommt Asaf, der Chefmusiker am israelischen Königshaus und ruft: „Gott nahe zu sein, ist mein ganzes Glück!“

Ist Gott also unser Glücksbringer? Viele Menschen sehen das so. Sie erwarten, dass Gott sie glücklich machen wird, wenn sie tun, was er will. Dieser Glaube ist verständlich, weil wir einen Vater im Himmel haben, der uns von Herzen liebt. Und diese Erwartung ist naheliegend, weil Gott ja nichts unmöglich ist. Die Bibel ist voll von Verheißungen für alle, die Gott vertrauen. Und tatsächlich will Gott das Glück seiner Kinder und segnet uns. Aber leider bedeutet dieser Segen nicht, dass wir immer reich, gesund und erfolgreich im Leben sind. Denn auch Christen werden krank und verlieren ihre Arbeitsstelle. Tief gläubige Menschen sterben bei Unfällen oder verlieben sich unglücklich.

Daran wäre Asaf beinahe zerbrochen. Aber bevor er seinen Glauben verlor, ging er in den Tempel, um mit Gott über seine Lebensfragen zu reden. Da öffnete Gott ihm eine neue Sicht auf das Leben: Gott ist nicht dafür da, dass es uns immer gut geht und wir Glück im Leben haben. Er ist aber auf jeden Fall für uns da, wenn es Nacht um uns wird. Das ist unser Glück. Gott fühlt und empfindet mit uns mit. Er versteht unsere Enttäuschung. Und er hält es trotzdem bei uns aus auch in den dunkelsten Momenten. Er bleibt immer an unserer Seite. Diese Nähe Gottes ist unser großes Glück!

Als 1912 die Titanic einen Eisberg rammte, war das eine der tragischsten Schifffahrtskatastrophen der Geschichte. Die Passagiere waren an Bord gegangen, um glücklich das Leben im Luxus zu genießen. Doch innerhalb weniger Stunden verwandelte sich das Glück in einen schrecklichen Albtraum. Mittendrin spielte die White Star Line Band ihre Lieder. Die 8 Männer hatten beschlossen, den Menschen bis zuletzt Hoffnung und Mut zuzusprechen. Als um 2 Uhr morgens das letzte Rettungsboot die Titanic verlassen hatte und über 1.500 Passagiere zurückblieben, stimmte die Band ihr letztes Lied an. Es lautete: „Näher, mein Gott, zu dir!“ Das war das letzte, was die Überlebenden und Ertrinkenden hörten: „Ist mir auch ganz verhüllt dein Weg allhier, wird nur mein Wunsch erfüllt: näher zu dir!“

Wenn uns alles wegbricht und untergeht – der Himmel steht für uns offen. Und ich bin sicher, dass das Glück Gott nahe zu sein, alle unsere Erwartungen übertreffen wird.  Darum wünsche ich Ihnen, dass Gott nahe zu sein auch Ihr ganzes Glück wird.

Ihr Karsten Künzl