Karsten Künzl

Andacht zur Jahreslosung

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ 

Markus 9,24

 

„Glaube ich wirklich? Glaube ich genug?“ Vielleicht kennen Sie solche Zweifel auch, wie sie dem Vater eines schwerkranken Kindes kamen. Es leidet unter epileptischen Anfällen, hat oft Schaum vor dem Mund und knirscht erstarrt mit den Zähnen. Die Ärzte konnten dem Sohn nicht helfen. Die Jünger auch nicht. Was soll der Vater nur machen?

Jesus sagt: „Alles ist möglich dem, der da glaubt!“ Aber wie geht das? Wie viele Tränen sind schon geflossen, weil Menschen versuchten zu glauben und nichts geschah? Und als ahnte der Vater etwas von all diesen Geschichten, die noch kommen würden, schreit er es hinaus: „Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“ Jesus, du siehst ja, was in mir los ist. Hilf mir. Ich kann das nicht. Ich bin völlig am Ende.

Diese Geschichte aus dem Markusevangelium ist mitten aus dem Leben. Denn das Leben reißt einen manchmal um: den Sohn, die Tochter, den Partner, den Freund oder uns selbst. Wir haben Schaum vor dem Mund. Wir knirschen mit den Zähnen. Manchmal tagsüber oder nachts. Das Leben ist chaotisch und umkämpft, vor allem, wenn man Kinder hat. Denn was glaubt man alles für seine Kinder! Und wie verzweifelt ist mancher darüber geworden!

Mit der Jahreslosung ermutigt uns Gott, unseren Glauben ehrlich zu leben. Egal, wie klein oder groß das Vertrauen zu Jesus ist, ob es durch Enttäuschung geschwächt ist oder durch Zweifel gehindert wird – für Jesus ist wichtig, dass wir damit zu ihm kommen und ehrlich vor ihm sind. Er benötigt keinen perfekten Glauben, um seine Größe und Macht zu zeigen. Er nimmt uns Menschen an, so wie wir sind. Er erhört Gebete und lässt manchmal auch ein Wunder geschehen, ganz ohne unser Zutun. Wir dürfen erleben, dass Gott in unser Leben eingreift und dadurch auch einen schwachen Glauben stärkt. Zweifel sind bei Jesus willkommen, denn sie zeigen, dass wir die Frage nach Gott ernst nehmen.

Warum lassen Sie sich nicht mal auf das Wagnis des Glaubens ein? Jesus nahm ein extrem kleines Samenkorn als Anschauungsobjekt und erklärte, dass der Glaube noch so klein sein kann, er wird Großes bewirken (Mt. 17,20). Versuchen Sie es doch mal mit diesem Gebetsschrei des Vaters: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Es lohnt sich. Denn Jesus heilte den Sohn und viele andere mehr. Beten ist eben manchmal nichts anderes als ein glaubender, ein zweifelnder und vor allem ein kapitulierender Schrei zu Jesus.

Ihr Karsten Künzl